Google Chrome – Alter Wein in neuen Schläuchen mit ein bisschen Schön
Bei golem.de gibt es einen ausführlicheren Bericht über das ‘neue’ Betriebssystem von Google, ChromeOS. Dort fassen sie dass zusammen, was ich schon seit einiger Zeit vermutet habe, aber auf Grund von fehlender Lust, einfach nie selber geprüft habe: ChromeOS ist vor allem ein Browser. Hinter dem Browser werkelt eine angepasste debianoide Linuxdistribution, die Google ein paar spezielle Themes ‘gepimpt’ hat und hier und da ein wenig am Quellcode bzw. den Kompileroptionen gewerkelt. Aber DEN Unterschied zu Spezialdistributionen ala grml scheint es im aktuellen Entwicklungsstadium nicht zu geben. Diesmal eben nicht für Systemadministratoren oder hardcore Multimediaanwender, sondern für Otto-Normal-DAU der online ist. — Mag sein, dass es sich hier noch was ändern wird und ChromeOS zu wirklich etwas Neuem wird, aber bis dahin freue ich mich, dass, auch wenn der Trend mit seinen Anwendungen auf Servern von börsennotierten Unternehmen mit Gewinnmaximierungsabsicht arbeiten zu wollen ungebremst anhält, es einen Schub in der Entwicklung von Linux und anderer freier Software gibt. Schließlich werden jetzt ganz neue Gruppen direkt damit in Verbindung kommen. Bis dahin bleibt für mich ChromeOS alter Wein in neuen Schläuchen und mit ein bisschen scharf schön.
Update:: Weil es nicht so heraus gekommen ist, aus dem originalen Posting. Abgesehen davon, dass ich mich freue, dass da ein Linux im Hintergrund arbeitet und so die User evtl. mehr Kontakt zu freier Software erhalten, finde ich es sehr bedenklich, wenn man nur noch auf den Servern von $anbieter arbeitet. Damit verliert man die Kontrolle nicht nur über seine Daten, sondern wird zu einer Art Spielball der Konzerne, die diesen Service anbieten. Dabei ist es egal, wer den Service anbietet. Selbst wenn die FSF es wäre, würde hier das Gleiche gültig sein.
Nicht zuletzt auch dadurch, dass alles im Browser läuft, könnte das Gefühl für freie Software und die Freiheit des daraus Lernens und Verändern indirekt — einfach auf Grund von fehlenden Möglichkeiten des Zugriffes — eingeschränkt werden und so das Gegenteil erreicht werden.
Übrigens hatten wir das schon Mal in der Geschichte: Ein großer Mainframe und viele kleine Terminals, die darauf zugreifen. Wollen wir das wirklich wieder haben und so die Freiheiten aufgeben, die durch die allgemeine Verfügbarkeit von Computer erreicht wurde?


Ich sag nur Mutti goes Linux… es bleibt zu befürchten, dass Chrome ein ziemlicher Renner wird und einen gehöhrigen Teil zorr tottaalen Googleisierung där Wält beitrragen wörrd! Das ist auch großenteils Schuld von M$ & Co., die es nicht geschafft haben, technologische Einstiegsbarrieren wirklich zu senken. Mutti braucht nur Internet, das heißt Firefox (weil von mir konditioniert) und – Google. Wenn das Ding (wir nehmen jetzt an Google = Chrome) einen Print-Button hat, ist das völlig ausreichend. Und wenn Google Wave schon jetzt nicht mit Iron mag, stellt sich auch die Frage nach Browseralternativen bald nicht mehr. Und vermutlich wird Vati mich auch nie mehr nerven, weil das Office neu installiert werden muss und Chrome lieben, sobald es einen Web-Audioeditor gibt (ja, gibt es sicher schon).
Oder muss man vielleicht den SuSEs, Ubuntus und Kubuntus dieser Welt gerade anrechnen, dass sie versuchen, (von oben) Technikbarrieren aus dem Weg zu räumen, aber es doch nie so richtig hinkriegen? Ist es wirklich erstrebenswert, dass der Bildschirmbediener völlig gedankenlos nur noch Content nutzt, egal ob mit einem W oder einem X dazwischen? Ist es nicht so, dass es die sogenannte “digitale Bohéme”, die es, obgleich sie eine gesellschaftliche Minderheit darstellt, geschafft hat, ihre Themen in die Agendas zu drücken, nur gibt, weil man bei Ubuntu die Treiber nicht mit setup.exe installiert bekommt oder als Windows-nutzen-Müssender geübt im Umgang mit Images und Backups zu sein hat? Was wird aus den Leuten, die sich in beiden Welten bewegen können, der nerdigen und der nicht-nerdigen? Brauchen wir uns in Zukunft noch Gedanken über Web-Sperren zu machen, wenn das der Content-Anbieter freilillig macht (http://www.chillingeffects.org/) und es nur noch einen davon gibt? Wir werden sehen…