Posts Tagged ‘Aktionismus’
Dezember 28th, 2010
Im Anti-Terror-Kampf wollen deutsche Flughäfen zu umstrittenen Maßnahmen greifen: Passagiere könnten bei Kontrollen künftig in Risikogruppen eingeteilt und unterschiedlich scharf überprüft werden. Nach israelischem Vorbild sollen dabei Alter, Geschlecht und ethnische Herkunft eine Rolle spielen.
(via SpOn)
Klasse. Manchmal frage ich mich echt, wer die wirklich gefährlichen sind. Ob nun durchgeknallter Religionsfundis (von denen ich bisher eigentlich nur christliche jenige welche getroffen habe) oder diese Sicherheitsfundies.
Im konkreten Fall: Was soll das bringen, außer dass die Menschen noch mehr gedemütigt werden? Jetzt würde dann halt nicht mehr jeder angefasst, sondern publikumswirksam in Kategroien eingeteilt. Auch gut. Ich schalge vor, dass man den Passagieren gleich noch ein paar Sterne auf die Brust bügeln könnte (zählt das jetzt schon als Godwin, schon oder?)
Wenn ich einen Flieger sprengen möchte, werde ich mit Sicherheit nicht durch die Personenkontrolle gehen, sondern z.B. mit Hilfe einem der unterbezahlten Mitarbeiter im Sicherheitsbereich, wie z.B. Reinigsmitarbeitern, was ausmachen. Und wieso gibt es eigentlich immer noch Schnaps, Kippen, Parfüm etc. in der ‘Sicherheitszone’? Man muss gar keine Bombe mit durch die Sicherheitskontrollen nehmen, um am Schluss eine zu haben. m(

April 30th, 2010
Für den ein oder anderen ist der Service von Google, über den man sich komplette Straßenzüge ansehen kann, eine Offenbarung. Für die anderen die Inkarnation des Antichristen. So hat es die Verbraucherschutzministerin sich nicht nehmen lassen, in den letzten Wochen gegen den amerikanischen Suchmachinenbetreiber schlecht Wetter zu machen. Ungeachtet der Tatsache, dass der Staat ähnlich interessiert an unseren Daten ist, wurde offen die Datensammelwut vorgeworfen und insgeheim ein Missbrauch der Sammelergebnisse angedichtet.
Nun hat sich aber offenbar das Verbraucherschutzministerium und Google auf einen Kompromiss geeinigt: Wer bedenken hat, sein Haus oder sich auf den Bilder zu sehen, kann bei Google Widerspruch einlegen. Gut, wie die Anonymität hier gesichert werden soll, bleibt zumindest mir noch ein Rätsel.
Oma und Opa wird es hier aber ähnlich gehen, wie der Bevölkerung eines Planeten in Sektor ZZ9 Plural Z Alpha, der leider gesprengt werde mussten für eine intergalaktische Expressroute. Auch diese hatten die Möglichkeit eines Opt-Out …. in einem Büro auf Alpha Centauri. Oder kurz zusammen gefasst:
Unter der Bedingung, dass man von dem Opt-Out überhaupt erfährt (bei Oma und Opa wird das schon schwer) und es einem möglich ist, Widerspruch einzulegen, gibt es genau zwei Möglichkeiten:
Entweder man gibt seine Daten an eine multinationale Aktiengesellschaft weiter, um dafür zu sorgen, dass sein Haus/Garten/Auto/? nicht öffentlich einsehbar ist oder potentiell jeder kann sehen, dass die Gardinen nicht gewaschen waren, als das Auto durch die Straßen gezogen ist.
Für mich klingt das alles mehr wie ein Bärendienst für den Datenschutz, nach Aktionismus sowie einer großen Nebelkerze. Was wäre an z.B. einem Opt-In als Kompromiss oder sich komplett heraus halten so falsch gewesen?
Update: Ganz vergessen noch zu erwähnen. Ohne die Details wirklich zu kennen, entsprecht der Kompromiss ungefähr der aktuellen Rechtslage. *Doppel Daumen hoch*

November 20th, 2009
Mal wieder wird der Wunsch nach noch mehr Überwachung in Bus und Bahn laut. Diesmal artikuliert unter anderem in einem Artikel auf heise.de
Forderungen nach mehr Videoüberwachung für Sicherheit in Bus und Bahn
und
Baden-Württembergs Innenminister Heribert Rech (CDU) will darum die Verkehrsverbünde bereits im Vergabeverfahren zu einer stärkeren Videoüberwachungen verpflichten. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) setzt daneben auf andere Erfahrungen: Polizisten in Uniform, die in seinem Land kostenlos die Bahn benutzen dürfen, seien bereits in rund 1000 Fällen eingeschritten. “Wir wollen darum, dass die Polizisten in ganz Deutschland die Bahn und den öffentlichen Nahverkehr kostenlos nutzen können”, sagte Herrmann. “Allein die Uniform schreckt ab – und natürlich greifen die Beamten im Ernstfall auch ein.”
Wieso kommt eigentlich niemand auf die Idee, in Deutschland wie in anderen Ländern sehr erfolgreich praktiziert, endlich wieder Mitarbeiten in den Zügen und Bussen mitfahren zu lassen, die im Zweifelsfall dem Gast zusätzlich mit Rat und Tat zur Seite stehen würden. Ich kenne das aus den Straßenbahnen von Riga, den Bussen von Ostrava oder der U-Bahn in Toronto und fand es jedes Mal toll.
Eine Kamera hilft nicht, wenn ein Fahrgast während der Fahrt belästigt oder angegriffen wird und ‘Verbrecher’, fängt sie auch nicht. Es sorgt nur für weitere Daten, die missbraucht werden und Kosten ohne direkten Mehrnutzen … die am Ende wieder bei den Fahrgästen abgeladen werden.

August 20th, 2009
Heute Morgen hat Ministerin von der Leyen bei MDR Figaro eine Art Interview gegeben. Neben den normalen Floskeln, die man aus den zahlreichen Youtubevideos oder anderen Dokumenten schon kennt und normal interessant sind, wurde ich durch Jörg auf eine Stelle aufmerksam gemacht, bei der ich erst einmal Schlucken musste:
Es ging um die Fragestellung der letzten guten Tat. Otto-Normal-Bürger würde hier vielleicht an den Euro denken, den er in den Klingelbeutel der Stadtkirche geworfen hat oder dem alten Mann, den man über die Straße geholfen hat etc. Nicht aber hier: Das Kind einer Mitarbeiterin hat geweint, weil die Mutti in eine Besprechung musste. (Cool, dass es ausreichend Kindergartenplätze und andere Möglichkeiten gibt…). Kurzerhand wurde beschlossen, die Fünfjährige mit in die Besprechung zu nehmen. Soweit okay — wäre da nicht der Fakt dass es in dieser Besprechung just um das Thema Internetzensur und Zugangserschwerungsgesetz ging. Natürlich wurde nicht über den Missbrauch von Kindern geredet…
Ich kenne eigentlich nur eine Möglichkeit wie so etwas funktionieren kann: Es geht beim Zugangserschwerungsgesetz gar nicht um die Beseitigung von dokumentierten Kindesmissbrauchs sondern…. Ach, nein, das ist zu abwegig.
Alle fünf meiner zwei Daumen hoch Frau Ministerin.
Unbedingt mal rein hören und selbst ein Urteil bilden. Textpassage ist ungefähr im letzten Drittel zu finden.
P.S. Mich würde ein kurzer Realitätsabgleich interessieren, wie dieses Meeting wirklich gelaufen ist. Weiß jemand mehr?

Juni 27th, 2009
Zumindest so habe ich gerade einen kurzen Artikel beim ehemaligen Nachrichtenmagazin gelesen.
Politiker fürchten Twitter-Manipulationen bei Bundestagswahl war dort zu lesen. Die Folgerung daraus ist nahe liegend, die beteiligten Personen von anderer Stelle bekannt: Da sich Twitter wohl nicht abschalten lässt, verbieten wir doch einfach Wahlumfragen oder verpflichten einfach alle auf Verschwiegenheit. Auf den ersten Blick nicht schlimm, doch bedenklich, dass auf jede moderne Entwicklung mit Verboten, Abschalten oder Verschwiegenheitserklärungen reagiert wird (wobei es letztere ja schon lange gibt). Wieso nicht einfach ein Stop(p)-Schild platzieren. Das hilft bestimmt!!!eins!elf!
Im Grundsatz ist die Nichtveröffentlichung von Wahlumfragen eine gute Sache. Sorgt sie doch dafür, dass eine Stimme die 5 vor 6 abgegeben wird, genauso viel Wert ist, wie eine die kurz nach 8 abgegeben wurde. Ich persönlich würde sogar soweit gehen und sie im direkten Vorfeld von Wahlen abschaffen, um den “Wahlkampf” etwas zu entspannen. Politik sollte mit Taten (Leistung, nicht Aktionismus) überzeugen und nicht mit “Wir-packen-es-an-Reden” von der Bühne bei Wahlparteitagen oder auf den Marktplätzen der Republik und es auch nicht durch unglückliche Phrasen auf Wahlplakaten probieren.
Was ich bedenklich an den Aussagen finde, ist der hier wieder einmal anklingende Regulierungswahn und der Versuch soziale Probleme mit Hilfe der Technik und des Gesetztes bewusstlos zu schlagen.
Update: Eine ganz nette Zusammenfassung dazu habe ich auch bei Die Dreckschleuder gefunden.
