Posts Tagged ‘Jena’
Dezember 16th, 2011
Seit ein wenig mehr als 3 Monaten hat der Hackspace in Jena einen Raum im Meat-Space. Die Mietvereinbarung läuft noch rund 3 Monate: Ein guter Zeitpunkt um an einer Art Bergfest Résumé zu ziehen, einen Blick in die Vergangenheit zu werfen sowie einen Ausblick riskieren. Wohin soll es gehen?
Alles angefangen hat Anfang 2010. Da gab es die Idee, den verschiedenen Grüppchen rund um freie Software, Linux, AK Vorrat, Freifunk und so weiter, im Grunde die üblichen Verdächtigen, einen Raum zu schaffen, in dem auch was ‘geschafft’ werden kann. In den man sich treffen und gemeinsam an Projekten arbeiten kann. Bis dato gab es mehr oder weniger regelmäßige Stammtische an verschieden gemütlichen Treffpunkten. Alle mitsamt leider wenig geeignet, längerfristige Projekte zu erledigen oder spontan etwas zu machen. Das prinzipielle Konzept eines Hackspace war aus anderen Städten bekannt, allein ein Raum hat gefehlt.
So führten wir in 2010 die ersten Gespräch und trafen dabei auf 3 Probleme, die uns eigentlich bis heute treu geblieben sind:
- Es ist relativ schwer in einer verständlichen und überzeugenden Art und Weise zu erklären, was man in einem Hackspace macht
- Einen Raum zu finden, der geeignet und bezahlbar ist
- Hinreichend Spinner zu finden, die mitmachen ;)
So verliefen erste Gespräche auch im Sande; scheiterten nicht zuletzt an der Finanzierung – aufgegeben wurde aber nicht, sondern vielmehr in den virtuellen Raum ausgewichen. (Der ein oder andere wird sich hier an Sowjet-Unterzögersdorf erinnert fühlen… Spieltipp!). So wurde also mit der Zeit ein Wiki angelegt, eine Mailingliste, ein Versionsverwaltungssystem und natürlich ein Chat. In der Meat-World lief die Kommunikation weiter über die einzelnen Stammtische oder bei gemeinsamen Mittagessen ab.
Im Sommer 2011 dann nun aber der glückliche Umstand. Bei einem weiteren Gespräch wurde uns die Möglichkeit angeboten, einen Raum in Jenas Wahrzeichen zu erhalten. Gesponsert durch Unternehmen aus der TowerByte e.G., einem Zusammenschluss von Internetunternehmen in Jena. vorerst beschränkt auf ein halbes Jahr und mit den üblichen Einschränkungen im Business Umfeld, konnte man diese Möglichkeit natürlich nicht ausschlagen. Und so kam es, weshalb Ihr jetzt diesen Beitrag lest.
Der Raum liegt im der 5. Etage des Jentower im idyllischen Jena. Ein Kompromiss für diese Lage ist der Verzicht auf Löten und offenes Feuer, sowie relativ restriktiven Einschränkungen beim Betreten des Raumes. ID-Karte, Rezeption, Anmeldungen .. Aber: Es ist ein Raum, um sich zu treffen und gemeinsam an Dingen zu arbeiten – Ein großer Schritt!. Es ist warm, trocken. Es gibt Internet und Mate. (Seit neusten auch schön gekühlt dank einer freundlichen Spende ;) )
Aber alles der Reihe nach. Im September konnten wir den Raum beziehen und uns einleben. Nachdem der Anfang etwas langsam vonstatten ging, hat es nun langsam Fahrt aufgenommen. In ungeordneter Reihenfolge einmal Projekte/Aktionen/…, die unter anderem unter Mitwirkung der Verbindung durch den Raum unternommen wurden innerhalb der ersten 3 Monate:
- Erfahrungsaustausch der LUG mit Slots für eigenen Vorträge
- Kleine Vortragsreihe zu x86-Assembler und maschinennahen Programmierung in Zusammenarbeit mit Ick aus der M18 aus Weimar
- Raum für Freifunktreffen
- Ausflug zur sub:conf ins Sublab nach Leipzig
- Ausflug zur M18 nach Weimar mit Gegenbesuch
- Elektronik-Weihnachtskalenderbastelei und Legokalender
- Diverse Sammelbestellungen für Elektronik-Klimbim
- Vorstellung von Hackerspaces bei der Piraten HSG Jena
- Kleinere Dokuwiki und OpenWRT-Firmware-Spielereien
- ….
Und natürlich ist das Treffen von Leuten nicht zu kurz gekommen, so dass sich zu den üblichen Verdächtigen der LUG und von Freifunk eine Reihe neuer Gesichter gesellt haben.
Auch beim gefühlt liebsten Kind der Deutschen, der Vereinsmeierei (oder bei uns auch Vereinshackerei…) sind wir einen großes Stück voran gekommen. Gab es Anfang des Sommers nicht viel mehr als eine erste Idee, basierend auf der Satzung von anderen Hack(er)spaces einen Verein zu gründen, der bei den notwendigen Organisationsarbeiten unterstützt und einen Raum zur Verfügung stellt, sind wir inzwischen in einem Stand, aus dem zeitnah der Verein tatsächlich gegründet werden kann. Konkret liegen die Satzung und die Geschäftsordnung zur Vorabprüfung beim Vereinsregister und Finanzamt mit Ziel, im Januar die konstituierende Versammlung zu erledigen und den Verein anzumelden — die Vorbereitungen für eine Beantragung der Gemeinnützigkeit inkludiert.
Aber:
Mit dem Blick auf Februar gerichtet, wird langsam aber sicher klar: Ganz klar, wie es weitergeht, ist es nicht. Die aktuelle Vereinbarung läuft nur noch, ich erwähnte es ja weiter oben schon, bis Ende Februar. Danach stehen wir vorerst wieder vor den gleichen Fragen, wie bereits im Jahr zuvor: Wo könnte man unter kommen und wie kann man es finanzieren. Allerdings sind wir einen großen Schritt weiter. Durch die Nutzung des Raumes konnten wir auf der einen Seite erste praktische Erfahrungen mit einer eigenen Unterkunft sammeln. Auch konnten wir mehr Leute mit der Idee erreichen und tatsächlich ist die Zahl der Abonnenten der Mailingliste um rund 1/3 gestiegen.
Und hier sind wir nun bei dem nahezu unausweichlichen Thema in heutigen Tagen: Die Finanzen. Zwar sind wir auch bei der Finanzierung einen großen Schritt weiter gekommen. Mate, Vergrößerung des Bekanntheitsgrades und regelmäßige Aktionen haben einen Teil dazu beigetragen. Blendet man den Gedanken an mögliche Spenden einmal aus, so fehlen mit Ausblick auf eine erfolgreiche Gründung des Vereins und einer vorsichtigen Schätzung des Mitgliedsbeitragsaufkommens immer noch rund eine dreistellige Summe im Monat für einen realistischen Ansatz zur selbstständigen Finanzierung eines Hackquartiers. Wie groß diese Lücke tatsächlich ist, ist recht schwer zu sagen und wird sich wohl erst in den nächsten Wochen zeigen, wenn tatsächlich der Verein Wirklichkeit wird. Ausgeglichen könnte diese Lücke durch Förderprogramme von z.B. der europäischen Union oder durch kommunale bzw. Landesfördermittel und hier liegt definitiv auch noch Potential für die nächsten Monate verborgen: Wo kann man auf Grund von was welche Fördermittel eventuell für die Idee oder für konkrete Projekte im Hackspace bekommen?
Aber Geld und Platz hin oder her. Wichtig ist, das es voran geht und so schaue ich zumindest optimistisch auf die Monate die vor uns liegen: 28c3 mit “No Nerd left behind”, Vereinsgründung, Vorträge, Hacksessions, RepRap, Microcopter, Arduino, Lego, ….. Es gibt soviel Sand! Lasst und ein paar Förmchen holen und Sandburgen und Sandkuchen und Türme und, und, und bauen!

Juni 28th, 2011
Seit einiger Zeit brodelt es in Jena: Unterhalb vom Turm soll der Eichplatz neuer Bebauung weichen. Die Bürgen wollen dabei mitsprechen, was mit dem Platz in mitten von Jena passieren soll. Einer dieser Versuche wieder einmal durch die Stadt abgebügelt.

April 19th, 2011
Immer wieder wird gerne darauf hingewiesen, dass der Bürger mehr Mitsprache in den Entscheidungen der Städte haben soll (Eigentlich abstrus, wenn man daran denkt, dass alle Macht vom Volke nach Grundgesetz ausgeht und somit der Bürger die Macht eigentlich schon hat …. nun gut).
So hat jede Stadt, die etwas auf sich hält, inzwischen eine Art Bürgerhaushalt oder andere ‘Bürgerbeteiligungsverfahren’ geschaffen, in denen, mehr oder weniger, die Bürger direkt bestimmen können, was zum Beispiel mit einem Teil des Budgets getan wird. So auch in Jena.
Gerne als Vorbild für andere Städte proklamiert, hat er doch auch hier so das ein oder andere Problem. Traut man den Erzählungen aus dem letzten Jahr reichen die von internen Probleme wie dem typischen Blockwartverhalten einiger Mitglieder bis hin zu viel fundamentaleren Problemen, die einen am Sinn der Übung zweifeln lassen: Eine Mitbestimmung der Bürger ist von vielen Seiten gar nicht so richtig gewollt. Aus welchen Gründen auch immer. Frank Cebulla Mitglied beim Jenaer Bürgerhaushalt gibt in einem Kommentar bei Jenapolis einen Einblick aus seiner Sicht.

Februar 23rd, 2011
Der Zensus11 ist nah. Überall werden noch die letzten Erhebungsbeauftragte gesucht und die letzten Vorbereitungen für den Stichtag im Mai getroffen. Für die notwendigen Daten aus Ämtern und Behörden wurde dies an vielen Stellen bereits getan, da sie zu einem großen Teil schon einmal Ende des letzten Jahres an die Statistikämter übermittelt wurden. Waren dies allerdings bisher nur Vorbereitungen, startet im Mai die richtige Befragung: Deutschlandweit werden dafür alle Wohnungseigentümer zu intimen Details Ihrer Wohnung befragt sowie ca. 8 Mio. Bürger separat per Fragebogen ausgehört. Dabei werden auch Details wie die Glaubensrichtung (freiwillige Angabe) abgefragt. Von allen anderen werden die Daten über Auszüge aus den verschiedenen Ämtern und Behörden wie Einwohnermeldeamt und Arbeitsagentur zusammen getragen und statistisch verarbeitet. Das dies keine so richtig gute Idee ist, wird der geneigte Leser meines Blogs bereits erahnt und/oder letztes Jahr gelesen haben.
Gestern haben sich ein paar “Zensus-Begeisterte” in der Quergasse getroffen, um zu prüfen, was gegen die Volkszählung 2011 oder kurz dem Zensus11 getan werden kann. Bei der Diskussion zeigte sich, dass vor allem Aufklärungsarbeit in Jena notwendig scheint, damit die Bürger die Probleme mit dem Zensus für sich persönlich etwas abmildern können und wissen, was auf sie zukommt, da hier die staatlichen Stellen bisher Ihrer vom Verfassungsgericht auferlegte Pflicht, nicht hinreichend nachgekommen sind. Ferner wurde darüber nachgedacht, in wie weit es eventuell noch Last-Minute-Möglichkeiten zur Verhinderung geben könnte.
Insgesamt ein recht lustiger und konstruktiver Abend, wenn schon das Thema ein wenig unangenehm ist ein Hoffnungsschimmer.
Zur Koordination wurde auf dem Server von mein-eichplatz.de eine offene Mailingliste angelegt, über die die nächsten Schritte besprochen werden sollen. Anmelden kann man sich dafür hier.
Mehr Informationen zum Zensus 11, der Volkszählung von 2011, gibt es auf den unabhängigen Seiten des AK Zensus auf zensus11.de.

Januar 27th, 2011
Auch dieses Jahr gibt es in Jena wieder einen Tag der Informatik in Jena:
Am Sonnabend den 12.02.2011 lädt das Institut für Informatik der Uni-Jena in den Hörsaal 4 am Ernst-Abbe-Platz ein (Carl-Zeiss-Stra0e 3). Dabei wird es im Rahmen von Vorträgen und einer mit bekannten Gesichtern besetzter Podiumsdiskussion um “Anonymität oder Authentizität? Vom Sich-Verbergen und vom Nicht-Abstreiten-Können bei der Nutzung von Informations- und Kommunikationssystemen” gehen.

Dezember 30th, 2010
Wie im Artikel über die PS3 schon angekündigt, gibt es nun auch Freifunk in der Mühlenstraße, Ecke Kahlaische Straße, mit einem Uplink in das große weite und vor allem böse Internet.
Die Wolke ist aktuell noch klein und besteht aus zwei Linksys WRT54 (1x GL und 1x GS) die jeweils in Richtung Schott auf der einen Seite und in Richtung Kahlaische Straße auf der anderen Seite ihr Signal senden. Auf den Maschinen läuft ein aktueller Snapshot von OpenWRT Backfire mit OLRSd und Lucy und ein wenig anderer Software. Der Zugang zum Internet erfolgt über eine recht breitbandige Anbindung bei momentan einem Uplink über einen Server im Ausland.
Beide Router verteilen IP per WLAN und DHCP, so dass in der Theorie jeder im Einzugsbereich mit einer WLAN-fähigen Hardware darüber surfen oder das Netz über zum Beispiel die Freifunkfirmware auf einem Router weitergeben kann. Es wird ein Ad-Hoc-Netzwerk angeboten, das ohne Verschlüsselung daher kommt. Der Name des Netzwerkes ist jena.freifunk.net.
Mehr Infos gibt es auf den Seiten von Freifunk Jena.


November 30th, 2010
Viel hört man in letzter Zeit, zum Thema Einbeziehung von Bürgern in den politischen Entscheidungsfindungsprozess. Basierend auf dem Gedanken wurde das Konzept der Bürgerhaushalte geboren, in denen sich die Bürger einbringen sollen und über ein Teil des Budget mitbestimmen sollen und so direkt Einfluss nehmen können. Ob Kindergarten, Parkplatz oder Kunstsammlung — Das Ohr der Planer soll so näher an die Menschen, für die sie die Entscheidungen treffen, gelegt werden. Soweit die Theorie.
Die Realität sieht aber leider nicht ganz so aus: Man könnte durch einen Blick auf die fehlende Weisungsbefugnis gegenüber dem Stadtrat und anderen Gremien der Kommune schon erahnen, dass der Bürgerhaushalt mehr ein zahnloser Papiertiger als wirkliche Beteiligung der Bevölkerung ist. Ja, fast, wenn man böse ist, von einer Blendgranate sprechen, wie sie die Enquete-Kommission des Bundes zum Thema Netzpolitik zu sein scheint.
In Jena scheint der Bürgerhaushalt, nicht nur, dass er nicht wirklich etwas bewegen zu können, von den meisten Mitgliedern des Stadtrates und deren Parteien fast als lästige Pflichtübung angesehen zu werden, auf die keiner wirklich Lust hat, wie ein Kommentar eines nicht nur im Umfeld der Bürgerhaushaltes und der Bürgerinitiative MeinEichplatz aktiven Piraten aus Jena sehr farbenfroh illustriert. Man könnte fast lachen, wenn es nicht so traurig wäre.

November 12th, 2010
Der [e|n]Pa ist aktuell ein Thema, zu dem jeder etwas zu sagen weiß. Trotz der berechtigen Fragen und Kritik, basieren doch viele der Punkte auf Unwissenheit oder Hörensagen — also im Grund wie so oft ;)
Interessant wird es aber dann, wenn ein Mensch der Praxis über solch ein Thema spricht. Besonders, wenn jemand wirklich an der Implementierung von Anwendungen im Zusammenhang mit dem [e|n]Pa mitgewirkt hat und auf ein paar Jahre Erfahrung im sicherheitsbereich zurückblicken kann. So kommende Woche:
Am 18.11 wird Christian Kahlo unter dem Thema “Der neue Personalausweis – Technik, Fakten, Hintergründe” über Aspekte des neuen Personalausweises sprechen, mit der Chance für kritische Fragen für das Publikum. Die Veranstaltung beginnt 19:ooh im HS5 der FSU in der Carl-Zeiss-Straße 3 am Ernst-Abbe-Platz.
Mehr Informationen zur Veranstaltung gibt es zum Beispiel hier

Oktober 29th, 2010
Ich muss ja ehrlich zugeben, dass ich diese beiden Themen nicht sonderlich aktiv mitverfolgt habe in den letzten Tagen und Wochen.
Aber etwas hat mir Fragezeichen in den Augen aufgehen lassen:
Doch die Koalition aus SPD, CDU und Grünen setzte sich durch. Und auch die FDP scheiterte mit dem Änderungsantrag, mindestens 20 Prozent der Eichplatz-Bebauung für Wohnzwecke festzuschreiben.
(via OTZ).
Sind das die gleichen Grünen, die neulich noch gegen die Wohungsknappheit in Jena protestiert haben und die gleichen SPDler, die mit zum Schlafsackflashmob aufgerufen haben?

Oktober 5th, 2010
Von nichts, kommt nichts. Natürlich trifft das auch auf uns Freifunker zu. Freifunk lebt vom Mitmachen der Menschen bei der Umsetzung der Idee, überall ein freies Funknetzwerk mit Internet und lokalen Diensten zu haben.
Besonders spannend ist das natürlich an Plätzen die sonst nur eine schlechte Verbindung zur weiten Welt des WWW haben auf der einen Seite und eventuell noch gut besucht sind. Die Einwohner der Wagnergasse in Jena sind solche Menschen und so hat Martin vor wenigen Tagen ein kleinen Brief gesendet, in dem er kurz auf Freifunk informiert und was es für den einzelnen bedeutet. Hier auf den Seiten von Freifunk Jena gibt es mehr Informationen dazu.
