Der Hamburger Datenschutzbeauftragte will Internet Service Provider künftig per Gesetz darauf verpflichten, auch mit IPv6 weiterhin dynamische IP-Adressen zu vergeben. Sonst drohten das Ende der Anonymität im Internet und eine “kleine Vorratsdatenspeicherung durch die Hintertür”.
(via golem.de)
Vor ein paar Wochen hatten wir ja schon so etwas ähnliches. Und ich verstehe es weiterhin nicht.
Die dynamische IP-Vergabe ist schon heute kein geeignetes Mittel, um unerkannt im Netz seine Bahnen zu ziehen. Nicht zuletzt über die gefühlte Massivität der Abmahnungen sollte dies klar sein. Sie behindern die Kommunikation vielmehr sogar und erzeugen Krücken wie DynDNS-Dienste.
Das Netz, ursprünglich ersonnen um Kommunikation und Austausch unter gleichberechtigten zu ermöglichen, hat sich mehr und mehr zu einer Art Konsumentennetz gewandelt, auch wenn Web2.0 einem etwas anderes vorgaukelt — Im Grunde konsumiert man da auch die Webanwendung eines Anbieters wie Facebook, Google & Co, um seine Inhalte eben just diesen Anbietern wieder zur Verfügung zu stellen.
Möchte man tatsächlich eine eigene Webanwendung zur Verfügung stellen, wird es komplizierter, da diese ohne größeren Aufwand eben nur über die oben erwähnten Krücken zu erreichen sind. Von Kommunikation unter Gleichberechtigten kann man da nicht mehr reden. Und ich möchte der Vergabepolitik für Adressen der Provider da ein wenig Schuld nicht absprechen.
(Obwohl, verstehen kann ich es schon. Wenn man ein paar Kunden hat, die nicht ständig online sind, ist es sinnlos, für jeden Kunden eine eindeutige Adresse zu reservieren. Geht man z.B. davon aus, dass man nur ca. 50% der Kunden online hat, benötigt man eben auch nur 50% der Adressen — Kosten und Ressourcenersparnis wenn man die Adressen wieder verwendet. Zusätzlich kann man den anderen statische IP für teuer Geld verkaufen.)
Was ich sagen will, liebe Datenschützer: Kümmert Euch um Sachen, bei denen ihr wirklich helfen könnt (Tor z.B.) und unterstützt diese oder werdet einfach mal aktiv, wenn es denn wirklich notwendig wäre (Wo wart ihr gleich beim ZensG?). Aber solche Forderungen? Neeeeeeee. Das tut mal nicht Not.

Schon vor ein paar Tagen gab es einen Podcast über Tor bei Netzpolitik.org. Recht interessant und mal etwas sinnvolles, wenn man im Auto keine Lust mehr $dudelmusik hat.

So oder so ähnlich kann man eine Studie der Electronic Frontier Foundation zusammenfassen, die man dort als PDF finden kann.

Die Große Firewall der chinesischen Regierung verhindert seit einigen Stunden alle Suchabfragen bei Google. Das wird aus dem Land berichtet. Zuvor waren schon die mobilen Internetzugänge gestört gewesen.
(via golem.de)
Ich wage jetzt einmal zu träumen, dass Google Tor ein wenig mehr Liebe zukommen lässt. Aber träumen kann ja jeder …

Nachdem so gut wie jede Seite im Netz mit dem Analytics Tool des großen Suchmachinenbetreibers oder dem Werbeangebot ausgestattet ist, geht es jetzt — zumindest zu einem Teil — weiter an die Verbindungsdaten. Reichen denn nicht die versuchten Fallbackseiten, bei Providern wie Alice, wenn eine Adresse nicht aufrufbar ist? Offensichtlich nicht.
Für alle, die sich gerade fragen: Wieso ist jetzt schon wieder alles schlecht? War die Milch sauer heute Morgen? Zuerst einmal ja. Zum Anderen siehe den Artikel bei heise.de
Öffentlicher DNS-Server von Google
Und ich befürchte, eine Menge von Leuten wird diesen eintragen. Wahrscheinlich die selbe Art von Usern, die sich das 20te Sharwaretool zur Optimierung Ihres Betriebssystem aus der Computerzeitschrift mit den vier großen Buchstaben installieren. Gründe gibt es viele: Der häufigste wird wohl sein: “Der ist viel schneller als mein normaler!!eins!!elf!”. Japp. Und pr0n lädt dadurch auch schneller …. *facepalm*
Dabei gibt es Alternativen wie zum Beispiel der DNS vom foebud e.V..
Warum machen Sie das?
Leider kann ich das nicht mit Sicherheit sagen, aber denkt einfach immer daran, es handelt sich hier nicht um einen gemeinnützigen Verein, der die Menschheit voran bringen will. Hier ist eine multimilliardenschwere Aktiengesellschaft am Werke, die alleinig Ihren Geldgebern verpflichtet ist. Und was wollen die? Genau, Rendite.
Interessant ist auch dieser Satz aus dem Artikel:
Ein höheres Tempo soll er dadurch erreichen, dass er DNS-Einträge aktualisiert, bevor ihre Gültigkeitsdauer (time to live, TTL)
Vielen Dank $suchmachinenbetreiber, dass Du das DNS-Root-System unnötig mit Prefetchanfragen belastest, auch wenn sie gar nicht gebraucht werden, nur um Deinen Gewinn zu erhöhen. Asozial würden andere zu solchem Verhalten sagen.
Bevor ich es vergesse: Natürlich ist das Eintragen eines wirklich freien DNS-Server zu erst einmal eine gute Idee, aber noch lange nicht die Lösung. Konsequent wäre es, auf Tor oder andere Anonymisierungsdienste im Netz zu setzen. Zum Beispiel bei Jens gibt es die ein oder andere Information dazu.
